Zugvögel in Tours

IMG_7655Tours ist heiß und trocken, überall flirren Gerüche in der Luft. Eine Straßenbahnlinie zerschneidet die Stadt und die Gegend davor und dahinter mit einer schnurgeraden Linie. Die Loire und die Cher sind kühle, grüne Oasen zwischen Hochhaussiedlungen. Die Altstadt mit schmalen Gassen zwischen hohen Fachwerkhäusern und alten, imposanten Sandsteingebäuden ist nett aber auch hier ist es zu heiß. An diesem Ort treffen wir Kbir, den Vogelmann, den Marokkaner. Er führt uns zur Loire, zeigt uns ein paar Vögel. Weil sein 17 Jahre altes Boot leckt, ist er hier. Er muss arbeiten, will Geld verdienen, vielleicht bei der Obsternte. Dann will er zurück in seine Lagune, ein neues Boot kaufen, „made of wood“, natürlich. Hier wohnt er bei einem Freund, den wir wenig später besuchen. Es ist, was ich mir unter nicht-artgerechter Haltung vorstelle. Die beiden Männer wohnen in einer kleinen Wohnung am Bahnhof, Kbir stellt uns jedes Gerät in der Küche einzeln vor. Ein wenig verlegen sind wir alle. Eigentlich ist hier alles in Ordnung. Außer Kbir. Der passt so wenig hierher, wie ein Flamingo in die Großstadt. Und er ist ebenso unglücklich. „Some days are so long“, sagt er, will, dass wir bleiben. Ein paar Tage vielleicht, wir können bei ihm wohnen. Stattdessen treten wir beklommen und freundlich den Rückzug an. Etwas mitgenommen von seiner Redseligkeit und, ja, auch von seinem Unglück.

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