Denn zum Feiern sind wir geboren

party

Motiviert und voller Vorfreude stapfe ich die letzte Düne hinauf, Sand rinnt in meine Schuhe und ich finde es romantisch. Vor mir öffnet sich der Blick auf das Meer. Majestätisch und dunkel wirft es im ewigen Rhythmus Wellen an den Strand. Der Himmel überschwemmt von grauschwarzen Wolken, nur am Horizont öffnet sich ein Panoramafenster darin und zeigt den blutroten Sonnenuntergang. Mein Herz pumpt dumpf in meinen Ohren. Obwohl.. eigentlich klingt das Herzgeräusch etwas zu eindeutig von links, um aus mir selbst zu kommen. Und eigentlich ist es auch ein bisschen zu schnell. Ich stolpere der Flut entgegen und stoppe vor dem schaumigen Rand der letzten Welle. Wind, Sand, Dunkelheit und Meeresrauschen. Und dieser Bass, verdammt.

Berührungen, Gerüche, Emotionen

Ein Stück weiter schickt eine Strandbar weiße Scheinwerferlichter ins All – und tiefe Bässe in meinen Kopf. Es ist der Abend vor dem niederländischen Königstag. Stimmen und Klänge wehen herüber. Einsamkeit und Strandromantik lösen sich in bunte Lichter, Lachen und alkoholgetränkten Sand auf. Wie eine Motte lasse ich mich anziehen von der strahlenden Bar, bleibe am Rand stehen, beobachte die tanzenden, feiernden Holländer. Da sind sie, explodieren in der Dunkelheit, verprassen ihre Energie, benebeln sich, tun all das, was wir alle so gern tun, obwohl sich der Sinn dessen nicht erklären lässt. Aufgekratzte Vorfreude, berauschende Getränke. Laute Musik, Bass, der in den Körpern fühlbar ist. Schwitzende Gemeinschaft, wippende, laute, aus der Haut fahrende Menge. Dunkelheit außen, nur dort schummrige Lichter. Berührungen, Gerüche, Emotionen.

Seit Urzeiten tun die Menschen das. Sie verabreichen sich bewusstseinsverändernde Substanzen. Sie zünden Feuer an. Sie bewegen sich in unsystematischen Verrenkungen. Zu Klängen, die sie nur für diesen Zweck erfunden haben. Sie verlassen die Person, die sie am Tag noch waren um etwas Anderes zu werden. Sie tun Dinge, die sie später bereuen. Um am nächsten Tag körperliche Qualen zu erleiden. Kopfschmerzen, Übelkeit, Reue. Und dennoch tun sie es immer wieder. Tun wir es immer wieder.

Urlaub für den Kopf

Lässt sich dieses Verhalten erklären, das doch allen logischen, rationalen und sinnvollen Entscheidungen widerspricht? Ein Verhalten, was nur unserer Art eigen ist. Warum macht uns das so glücklich? Was passiert mit unserem Geist, unserer Seele, wenn wir uns nachts benebelt zum Takt von Musik bewegen? Ist das Urlaub für den Kopf? Braucht unser Körper diese emotionale Entladung, um mit dem rationalen Alltag zurecht zu kommen? Was passiert mit uns, wenn wir tanzen, wenn wir uns der Musik vollkommen hingeben? Liegt Musik in unserer menschlichen Natur? Liegt dieses Verhalten in unserer Natur?

Ich reiße mich los. Trete zurück in die Dunkelheit. Gehe zurück zum Meer, das still und ruhig ist, jetzt. Alt und gleichgültig liegt es dort, nicht wissend, dass es der Grund dafür ist, dass all die Menschen gerade an diesem Platz zum stampfenden Bass umherspringen. Das sich nicht beirren lässt im Rhythmus seiner Wellen, nicht durch meinen Herzschlag und nicht durch den Bass der Strandbar. Das sich vermutlich wundert über das seltsame Verhalten der betrunkenen kleinen Wesen auf dem Land.

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