Fünf Tage Roadtrip pur: von Dortmund nach Salamanca

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Die Sonne geht purpurn und optimistisch über Dortmund auf. Jeder vernünftige Mensch liegt noch in den Federn, als Sören und ich uns müde und aufgeregt auf dem Weg nach Süden machen. Auf den Weg nach Marrakesch mit meiner Bullidame Zora, ein VW T3 von 1986, geschmeidige 367000 Kilometer auf dem breiten Buckel. In Köln nehmen wir kurzerhand einen Tramper mit, einen Franzosen, dessen Namen wir kleinIMG_4041nicht erfragen aber der nach Abenteuer, Sorglosigkeit und ein wenig Schweiß riecht und mit fünf Jungs durch Deutschland und Frankreich trampt. Er freut sich über das Auto und die Doors aber besonders über unsere Route, die wir kurzerhand verlegen. Statt nachmittags über Paris zu fahren, geht’s nach Troyes, wo wir den Tramper absetzen.

Weiter geht’s über Landstraßen, gesäumt von verblühten Sonnenblumenfeldern und weitem Land. Ausgestorbene Dörfer in Lehmfarben, bröckelnder Putz, Stromleitungen und Nostalgie.

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Abends sind wir an der Loire, übernachten auf einem netten, leeren Campingplatz. „Nett“ reicht uns diesmal aber nicht, darum müssen wir am nächsten Tag weiter. Wir fahren mühelos und ohne Zwischenfälle bis zur Atlantikküste, kurven etwas herum und landen schließlich an einem kleinen See vor dem Meer, Mimizan Plage heißt der Ort dazu. Dort bekommen wir so etwas wie den Notplatz, direkt neben Pizzabude und Waschhaus. Erst ist das etwas seltsam, denn haufenweise Kinder starren uns an, als wären wir mindestens grün im Gesicht oder hätten sogar ein Ufo zum Landen gebracht. Dafür bekommen wir all die Balzrituale der französischen Jugend zu sehen, live und Open Air.

Dann, am Donnerstag, zügeln wir wieder die Zora und treiben sie gen Süden, über teure Mautautobahnen. Es wird immer wärmer und die wohlbekannte südfranzösischen Pinienlandschaft wandelt sich. Irgendwann tauchen plötzlich Berge auf. Sören zappelt am Steuer herum und auch ich bin gespannt auf dieses neue Land. Wir reisen bis Islares, ein Strandstück bei Bilbao und lassen uns auf einem kleinen Campingplatz direkt neben einer Bucht nieder. Hier spricht niemand Englisch, aber das macht nichts, denn die Spanier sind sowieso mit anderem beschäftigt. Mit rauchen und reden, mit Fahrrad fahren (besonders die Kinder sind der Meinung, dass auf dem Platz die der-Stärkere-gewinnt-Regel gilt), mit trinken und kochen, angeln, geschäftig umherlaufen und noch mehr reden. Hier gibt es viele Kinder, die spät ins Bett gehen, die Menschen kochen gegen 22 Uhr und stehen spät auf. Hier geht man schwimmen und angeln und genießt die Freizeit. Es fühlt sich viel mehr nach Urlaub an, als das Campen in der pünktlichen deutschen Planquadrat-Spießigkeit. Die Bucht neben dem Platz ist ein türkisgrünes, großes Becken, eingefasst von hellen Felsen. Dahinter droht dunkel, wild und geheimnisvoll der Atlantik. Von oben sehen wir die Sonne dahinter verschwinden, ich spiele Gitarre und, ja, es ist fast kitschig.

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kleinIMG_0729Am nächsten Morgen, aufauf, wollen wir eine Felsnase erstürmen, die sich herausfordernd in den Ozean schiebt. Bis wir dort sind, sind wir aber schon gute drei Stunden im Sturmschritt unterwegs, die Bilanz: Ein Esel, ein Haufen Ziegen, ein Gemüsegarten im Niemandsland und zwei deutsche Pilgerinnen ohne große Wanderlust.

An dem Felsen angekommen stellen wir fest, dass uns eine Wasserschneise vom Objekt der Begierde trennt. Nach ein paar Minuten Bedenkzeit und Blicken in den düsteren Himmel reiße ich mir die Kleider vom Leib und wage es. Mit Erfolg. Das Gefühl das uns überkommt, als wir am äußersten Punkt der Landzunge stehen, kann höchstens Columbus nachfühlen. Oder Noah denn einen Moment später ergießt sich der Himmel über uns und wir suchen nach irgendeinem Unterstand auf diesem kahlen Flecken Erde. Unter einem Felsen harren wir aus, nass und bibbernd, bis es einigermaßen vorbei ist. Dann – auch egal jetzt – Klotten aus und rein ins Meer. Großartig! Der Atlantik! Salzig und dunkel und wild und felsig.

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Der Rückweg gestaltet sich weitaus leichter, denn die Ebbe macht uns einen sandigweichen Weg frei und so marschieren wir quasi über das Wasser zurück bis zum Platz. Abends geht nichts mehr, mein Körper ist ein schmerzendes Stück Wachs, die Zora nimmt uns auf und umgibt uns wohligwarm. Kann es uns noch besser gehen?

Am Reisetag fünf fahren wir früh (also schon vor zehn Uhr!) los, Einkauf und Frühstück unterwegs, weiterweiter durch die Pyrenäen kleinIMG_4085bis diese plötzlich vorbei sind und die Landschaft sich öffnet. Vor uns erstrecken sich sandgelbe, gemähte Felder bis zum Horizont. Der Raststätte, an der wir für einen Klogang halten, fehlt nur eine Saloontür und den Spaniern hier der Revolvergurt. Wird sind im wilden Westen Spaniens, zumindest sieht es so aus und auch die Temperaturen steigen und steigen. Automatisch schaue ich mir die vermeintlichen Strauchdiebe am Straßenrand genauer an und behalte meine Kamera auf dem Schoß, damit ich sie, im Fall der Fälle und falls ein feindlich gesinnter Cowboy seitlich auf die Zora schießt, nicht verliere. Unser Zielort ist Salamanca und dort finden wir zügig unseren Campingplatz. Luxuriös und leer, mit Swimmingpool,wunderbaren Sanitäranlagen und – godbless – WLAN! Wir faulenzen, ich verliere mich im Worldwideweb und bin vollkommen zufrieden. Die Abenteuer dürfen bis morgen warten. Für heute reicht mir Grillenzirpen und Weinschorle.

 

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